Künstliche Intelligenz – Eine Herausforderung?

09.05.2019

Podiumsdiskussion zwischen Politik und Wissenschaft

Künstliche Intelligenz wird zu Veränderungen in der Gesellschaft führen. Vor rund achtzig interessierten Gästen moderierte der Meckenheimer CDU Fraktionsvorsitzende Joachim Kühlwetter eine Podiumsdiskussion zum Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI), die im Verbund der linksrheinischen CDU Stadt- und Gemeindeverbände durchgeführt wurde. Gäste waren Professor Dr. Stefan Wrobel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS aus Sankt Augustin und Axel Voss, Mitglied des Europäischen Parlaments.

In seiner Einführung informierte Stefan Wrobel über die Historie der künstlichen Intelligenz mit Hilfe regelbasierter Systeme, welche ihre Grenzen in der damals sehr eingeschränkten Rechenleistung fanden. Mittlerweile hat ein enormes Datenwachstum stattgefunden und es steht eine außergewöhnlich hohe Rechenleistung zur Verfügung. Zudem wird in der heutige KI neben Daten auch menschliches Expertenwissen integriert. Daraus ergibt sich, dass KI extrem leistungsfähig geworden ist, aber anders als der Mensch funktioniert: „Der Unterschied zur menschlichen Intelligenz ist, dass wir immer noch nicht genau wissen, wie unser Gehirn derlei Dinge eigentlich leistet und löst. Aber wir können uns mathematische Verfahren überlegen, die das simulieren. Dabei ist ganz wichtig zu wissen, dass die Methoden der künstlichen Intelligenz künstlich sind. KI ist in der Lage, Spezialaufgaben zu lösen. Aber nur weil sie Äpfel erkennt, heißt das nicht automatisch, dass sie auch Birnen erkennen kann“, so Wrobel.

Daraus leiten sich Haftungs- und rechtlich-soziale Fragen zum Einsatz von KI-Techniken ab, führte Axel Voss aus. Hier muss die EU Treiber sein um Fragen zu beantworten und um zeitnah die richtigen Lösungen zu finden. Für den Gesetzgeber ist das Thema KI absolutes Neuland. So gibt es beispielsweise noch keine Regel, dass man mit einem 3-D-Drucker keine Waffen ausdrucken darf. Hier muss nachgearbeitet werden, um die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.

Als einen der populären Meilensteine der KI führte Stefan Wrobel das autonome Fahren an. Hier wird oft die Frage gestellt, ob KI darüber entscheiden kann, welches Leben z. B. bei einem sich anbahnenden Unfall schützenswerter ist – das eines alten oder das eines jungen Menschen? Das wird KI nicht leisten können und auch der Mensch entscheidet in einer Gefährdungslage innerhalb von Sekundenbruchteilen nicht rational. „KI wird hier nicht besser sein, sondern muss vielmehr dazu führen, dass lebensgefährliche Situationen erst gar nicht entstehen“, so Wrobel.

KI wird außerdem zu Veränderungen in der Arbeitswelt führen, Weiterbildung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei wird digitales Gestalten immer wichtiger und das muss schon in den Schulen sichergestellt werden. Dazu hat die Fraunhofer-Gesellschaft bereits 2002 die Initiative „Roberta – Lernen mit Robotern“ ins Leben gerufen und seither mehr als 400 000 Schülerinnen und Schüler erfolgreich an das Programmieren und an digitale Kompetenzen herangeführt.

Nur der nachhaltige Einsatz von KI kann sicherstellen, dass Deutschland ein Hochtechnologieland bleibt, sind sich Voss und Wrobel einig. Die angewandte Forschung, wie Fraunhofer sie betreibt, trägt hierzu bei, indem sie praxisbezogene Lösungen in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und Organisationen entwickelt. Dafür bedarf es u. a. erhebliche Datenmengen, die verfassungskonform erhoben und verarbeitet werden müssen. Das zeigt sich insbesondere am Beispiel Medizin und Gesundheitswesen, wo hochsensible Patientendaten im Spiel sind.

„Neben technisch relevanten Fragen muss der Rechtsrahmen zur KI weiter definiert werden und hier gilt es auf EU-Ebene dringend darum, die Problematik anzufassen und voranzubringen. Das Thema Digitalisierung wird sich aus Europa verabschieden, wenn es uns nicht gelingen sollte, Daten für die KI verfassungskonform zu erheben und zu verarbeiten. Deshalb muss Europa schneller werden“, appellierte Voss. „Unsere Verfahren dauern einfach zu lange.“
 

 

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